Talbrücke Rälsbach (FR Dortmund) gesprengt

Hintergrund

Das Signal ertönt drei Minuten vor der Sprengung. Zahlreiche Schaulustige haben sich an einer Stelle im Wald oberhalb der Ortschaft Rinsdorf eingefunden. Von hier aus ist der Blick auf die Talbrücke Rälsbach in sicherer Entfernung möglich. Das Interesse ist hoch. Die Menschen fühlen sich mit ihrer Region verbunden. Die Brücke, die zuletzt im Durchschnitt 60.000 Fahrzeuge am Tag sicher über das Rälsbachtal zwischen Rinsdorf und Obersdorf geführt hat, gehört für sie dazu.

Die Kameras und Smartphones werden in die Höhe gehalten. Es folgt ein kurzer, aber ohrenbetäubender Knall. Wie Streichhölzer knicken die Brückenpfeiler unter der Brücke in Fahrtrichtung Norden ein und geben für die Fahrbahn den Weg in die Tiefe frei. Der Brückenoberbau landet auf dem eigens aufgeschütteten Erdbett und eine Staubwolke steigt in den Himmel. Innerhalb von Sekunden ist alles vorbei. Schnell lichtet sich der Nebel aus Staub und Beton und es taucht die am Boden liegende Fahrbahn auf. An einem Stück, so sieht es auf den ersten Blick aus, als wäre sie befahrbar. Wie eine riesige Skaterbahn liegt sie zu Füßen des noch stehenden Teils der Rälsbachbrücke.

Eine technische Meisterleistung. Das Team um Sprengmeister Michael Schneider hat ganze Arbeit geleistet. Schon eine Minute nach der Sprengung kommt die Meldung: Alles perfekt abgelaufen! Zunächst untersuchen die Fachleute, ob es trotzdem zu Schäden an dem verbleibenden Bauwerk gekommen ist: Fehlanzeige! Um 13 Uhr wird der Verkehr auf der A45 zwischen den Anschlussstellen Siegen-Süd und Wilnsdorf wieder freigegeben. Er rollt nun in beide Fahrtrichtungen über verengte Fahrspuren über den noch stehenden Teil der Brücke.

Die rund 160 Meter lange und knapp 32 Meter breite Talbrücke Rälsbach ist über 50 Jahre alt und dringend erneuerungsbedürftig. Mit dem Neubau der Brücke geht ein Ausbau von derzeit fünf auf dann sechs Spuren (plus Standstreifen) einher. Die Arbeiten inklusive Abriss der alten Brücke kosten rund 15,4 Mio. € und sollen in drei Jahren abgeschlossen sein. Wie bei der alten Brücke wird auch die neue aus zwei Baukörpern, einem je Fahrtrichtung, bestehen. Die neue Brücke wird 175 Meter lang, rund 37 Meter breit und an ihrer höchsten Stelle 26,3 Meter hoch sein.

Im Vorfeld der Sprengung war die Fahrbahn in Fahrtrichtung Frankfurt a.M. baulich verstärkt worden, damit von ihr der komplette Verkehr in beide Fahrtrichtungen aufgenommen werden konnte. In den kommenden Wochen werden die Bauteile der gesprengten Brücke vor Ort zerkleinert und abtransportiert. Im Frühjahr 2018 wird mit dem Bau der neuen Brücke in Fahrtrichtung Dortmund begonnen. Nach Fertigstellung wird der gesamte Verkehr auf dieses neue Bauwerk geführt, damit der zweite Teil der Talbrücke Rälsbach abgerissen und neu gebaut werden kann.

Auf den Bildern ist zu sehen, wie die Brücke in Fahrtrichtung Dortmund (hinten) nach der Sprengung in sich zusammenfällt und die Fahrbahn am Ende am Boden liegt.

 

Das Video zur Sprengung finden Sie hier.